Modell 6
Die Geschichte der Frankfurter Torpedo-Werke (ehemals Weil-Werke) ist geprägt von einer kontinuierlichen mechanischen Evolution, die in den 1920er- und 1930er-Jahren ihren Höhepunkt fand. Ein entscheidender Meilenstein war das Modell 6, das ab 1927 die Ära der modernen Büroschreibmaschinen einläutete. Mit einem stolzen Gewicht von bis zu 18 kg war es eine massive Stationärmaschine, die eine revolutionäre Neuerung einführte: die Segmentumschaltung. Anstatt den schweren Schreibwagen für Großbuchstaben anzuheben, senkte sich lediglich der Typenkorb ab, was ein deutlich leichteres und leiseres Schreiben ermöglichte. Diese Technik erlaubte es zudem, unterschiedlich breite Wagen auf demselben Grundgehäuse zu nutzen – ein Vorläufer der späteren Buchungsmaschinen.
Parallel dazu bedienten die Werke mit dem Modell 12 (ca. 1925–1929) den wachsenden Bedarf an Mobilität. Als erste echte Reiseschreibmaschine des Hauses war sie kompakt, flach und fest auf einer hölzernen Bodenplatte montiert, die als Basis für den Transportkoffer diente. Während das Modell 12 noch die technische Grundlage legte, wurde dieses Konzept mit dem Modell 15a ab 1933 perfektioniert. Die 15a übernahm die Segmentumschaltung der großen Büromaschinen und kombinierte sie mit der Handlichkeit einer Portable. Viele dieser Exemplare wurden mit der heute seltenen Frakturschrift ausgeliefert, die durch spezielle Tasten für Ligaturen wie ch, st oder tz sowie unterschiedliche Formen des Buchstabens „s“ bestach.
In den Kriegsjahren, etwa bei der Torpedo 6 von 1943, wurden aufgrund von Materialknappheit vermehrt Komponenten aus Bakelit statt Metall verwendet, was diese späten Modelle heute besonders anfällig für Gehäusebrüche macht. Dennoch blieb die Mechanik – oft basierend auf dem präzisen Wagnergetriebe – so zuverlässig, dass Torpedo-Maschinen bis weit in die 1960er-Jahre hinein als Inbegriff deutscher Wertarbeit galten. Ob als schwere Büromaschine mit Dezimaltabulator oder als elegante Reiseschreibmaschine: Die Modelle 6, 12 und 15a dokumentieren eindrucksvoll den technologischen Aufstieg eines Herstellers, der die Schreibkultur über Jahrzehnte maßgeblich prägte.