Mignon 1, 2, 3 & 4

 

Die AEG Mignon ist eine der ungewöhnlichsten und zugleich erfolgreichsten Schreibmaschinenkonstruktionen ihrer Zeit. Entwickelt wurde sie 1903 von Friedrich von Hefner-Alteneck und anschließend bis 1934 von der AEG gebaut. Sie gehört nicht zu den klassischen Tastaturschreibmaschinen, sondern zu den sogenannten Zeigerschreibmaschinen.

Statt einer Tastatur besitzt die Mignon ein Buchstabenfeld (Tableau), über das mit einem Zeiger das gewünschte Zeichen ausgewählt wird. Durch das Bewegen des Zeigers richtet sich eine Typenwalze (Typenzylinder) entsprechend aus, und mit einer Taste wird das Zeichen auf das Papier gedruckt. Dieses System war besonders für Nutzer gedacht, die das Zehnfingersystem nicht beherrschten, und machte die Maschine einfach erlernbar.

Ein weiterer großer Vorteil der Mignon war die austauschbare Typenzylinder. Dadurch konnten verschiedene Schriftarten und sogar andere Zeichensätze verwendet werden – beim späteren Modell 4 gab es über 30 verschiedene Varianten.

Die Mignon wurde wegen ihrer einfachen Bedienung, Robustheit und des vergleichsweise günstigen Preises sehr erfolgreich und war zeitweise die meistverkaufte Schreibmaschine in Deutschland.

 

Die Mignon Modell 1 ist die erste Ausführung von 1903 und wurde nur in sehr kleiner Stückzahl gefertigt. Sie bildet den technischen Ursprung der gesamten Baureihe und ist heute entsprechend selten.

Die Mignon Modell 2 ist die erste größere Serienversion und verbreitete das System weiter. Sie ist bereits deutlich ausgereifter als das Urmodell und machte die Mignon erstmals zu einem echten Marktprodukt.

Die Mignon Modell 3 stellt eine Weiterentwicklung dar, bei der Mechanik und Bedienung weiter verbessert wurden. Sie bleibt jedoch dem Grundprinzip treu.

Die Mignon Modell 4, gebaut ab etwa 1923/24, ist die technisch ausgereifteste Version der Reihe. Im großen und ganzen handelt es sich bei der Modell 4 um eine Modell 3 jedoch erhielt sie eine Rücktaste und wurde damit zum verbreitetsten Modell der Serie.

Insgesamt steht die AEG Mignon für ein völlig anderes Schreibmaschinenkonzept: kein schnelles Zehnfingersystem, sondern eine einfache, logisch aufgebaute Bedienung. Gerade deshalb ist sie heute eine der interessantesten Alternativen zur klassischen Schreibmaschine und ein wichtiger Teil der frühen Schreibtechnikgeschichte.